06232 9199-0

header ueber uns

Wohnungssituation in Speyer nach dem Krieg

Wohnungssituation in Speyer nach dem Krieg

Die Stadt Speyer hatte das Glück gehabt, durch Luftangriffe und Bodenkämpfe nur geringe Schäden an Wohngebäuden hinnehmen zu müssen. Höchstens drei Prozent des Wohnraums, das entsprach etwa 200 Wohnungen, waren für Wohnzwecke nicht mehr oder nur noch bedingt nutzbar. Städte in der Umgebung wie Neustadt, Ludwigshafen oder Pirmasens hatten mit 15, 55 bzw. 70 Prozent einen weitaus größeren Verlust an Wohnungen zu beklagen.

Die Wohnraumsituation im ehemaligen Regierungssitz der bis 1945 bayerischen Pfalz war aber keineswegs entspannt. Anders als im Gebiet des 1946 gegründeten Rheinland Pfalz, das erst 1950 die Bevölkerungszahl von 1939 wieder erreichte, hatte die Speyerer Bevölkerung bereits 1946 mit 28.500 Einwohnern - inklusive 600 Flüchtlingen - wieder den Vorkriegsstand erreicht.

Während bis Ende 1948 die Einwohnerzahl Speyers auf 29.577 Personen anstieg, ruhte der Wohnungs(neu)bau fast völlig. Zwar waren finanzielle Mittel vorhanden, jedoch fehlten Baumaterialien wie Kohle, Holz oder Stahl aufgrund einer geringen industriellen Produktivität und infolge der Entnahmen aus der Produktion durch die französischen Behörden für den Export nach Frankreich. Zudem mangelte es an Fachkräften für den Wohnungsbau. Kennzeichnend war, dass in den Jahren 1946 bis 1948 nur 58 Wohnungen 
(wieder-)errichtet werden konnten. Weiterhin hatten die französischen Streitkräfte in Speyer einen Teil der verfügbaren Wohnfläche beschlagnahmt.

Obwohl die Stadt am Rhein Ende 1948 mit durchschnittlich 9,6 Quadratmeter pro Einwohner den zweithöchsten Wert aller kreisfreien pfälzischen Städte aufwies, milderte die Erfassung und Zuteilung die angespannte Situation nur geringfügig ab. Dem Wohnungsamt standen 1948 inzwischen 8560 Wohnungen einschließlich aller Not- und Behelfsunterkünfte zur Verfügung. Doch war es eine logische Folge, dass sich Anfang 1949 in Speyer 1000 Familien auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe befanden. Notunterkünfte oder einzelne Zimmer für eine mehrköpfige Familie waren schlicht unzureichend. Der Leiter des Stadtbauamtes, Otto Hanemann, schätzte 1949 den Gesamtbedarf an Wohnungen für die nächste Zeit auf über 2200 Wohneinheiten.